Auszeit in Kopenhagen Teil 4

Heute erkunden wir die Stadt wieder zu Fuss, meine Füsse werden es mir später danken…. Los geht es also nach dem Zmorge im Hotel, via der Brücke Lille Langebro laufen wir auf die andere Kanalseite nach Christianshavn, vorbei am Schwarzen Diamant und der Cirkelbroen, die wir bereits bei der Kanalrundfahrt gesehen haben aber über die wir diesesmal spazieren.

Es geht weiter vorbei am Steuerministerium des Königreichs Dänemark (wo einst auch ein paar Aufnahmen der Olsenbande entstanden) entlang der Wildersgade über die Snorrebro bis wir vor der Vor Frelsers Kirke landen. Dieses Gotteshaus ist vor allem für seinen 36m hohen teils spiralförmigen Turm bekannt. Wir konnten ihn bereits oft aus der Ferne bewundern und er war Punkt auf unserer Liste. Ich wagte mich allerdings nur bis zu jenem Plateau, wo die äussere Wendeltreppe beginnt. Bis dahin war der Aufstieg schon recht anstrengend und vor allem eng. Während mein Bruder sich bis ganz oben wagt, geniesse ich den Blick über Kopenhagen. Da das EC-Gerät bei uns nicht funktionieren will, zahlen wir keinen Eintritt, nicht mal bar. Bar zahlen ist in Dänemarkt wohl eh out, man bekommt beim Bezahlen automatisch das Kartenzahlgerät hingehalten. Man schenkt uns also das Vergnügen. Grosszügig sind sie, die Dänen, und sehr nett!

Wildersgade – alt neben neu

Wieder unten angelangt, ist unser nächstes Ziel Christiania. Da wir recht früh vor Ort sind, ist hier noch wenig los, auch wenn es an allen Ecken nach Gras stinkt….wir schlendern durch die chillige und vor allem bunte Freistadt in Richtung Holmen.. Meine Augen erfreuen sich bald an einem alten Volvo, der so ganz allein in einer einsamen Strasse steht. Der Mann antwortete auf Senden eines Fotos, ich solle den mitbringen….

Bald erreichen wir wieder eine belebtere Gegend. Wir kommen vorbei an Papirøen und gelangen über die Inderhavnsbroen (wieder einmal eine Brücke nur für Fussgänger und Velofahrer) zum Nyhavn (diesmal ohne Regen!) Am Kongens Nytorv (einem meiner Lieblingsplätze, ihr erinnert euch…) lassen wir uns kurz auf einer Bank nieder um das Geschehen am Platz einmal mehr zu beobachten. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es weiter in Richtung Rundetårn, der nun geöffnet ist und den wir natürlich besuchen. Auf der Aussichtsplattform gibt es einen kleinen Kiosk, der unter anderem Kaffee offeriert. Da bin ich natürlich dabei. Eine Tasse Kaffee und Weitblick über Kopenhagen geniessen, was will man mehr.

Nach unsrem Bestieg gönnen wir uns ein Hotdog, schlendern weiter kreuz und quer durch die Stadt und stehen plötzlich vor einer weiteren Filmkulisse aus einem der Olsenbandenfilme und sehen ganz spontan erneut die Wachablöse diesmal mit musikalischer Begleitung an uns vorbeimarschieren. Aha, die dänische Königin ist demnach in der Stadt. Unser nächste Tagesziel ist dann Schloss Rosenborg sowie der Botanische Garten mit dem Schmetterlingshaus. Und das ist wirklich empfehlenswert! Im Schmetterlingshaus flattern viele Sommervögel (dänische Sommerfuglene ♥) herum, einige landen auf unsren Händen.

Nach soviel Flora und Fauna ist es Zeit für eine kurze Abkühlung. Direkt vorm Botanischen Garten gibt es feines Glace. Danach laufen wir in Richtung Zentrum und steuern Torvehallerne an, einer Art Markthalle mit leckeren Sachen von Kaffee bis zu Schoggi, Fleisch, Wurst, Käse und alkoholischen Getränken. Am Stand von Exotic Mix verbringen wir eine Weile und studieren das vielfältige Angebot. Wir dürfen probieren und kaufen ein paar Sachen (und werden später wieder kommen, da die gekauften Sachen, die als Mitbringsel gedacht waren, von uns gegessen wurden…)

Nach einem kurzen Stopp ins Hotel verbringen wir den Abend nochmals am Kanal nahe der Langebro.

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Auszeit in Kopenhagen Teil 3

Nachdem wir gestern nur zu Fuss unterwegs waren, wagen wir uns heute auf die Zweiräder. Das Hotel verfügt über eigene Fahrräder, also mieten wir uns zwei Velos für zusammen 250 Kronen (CHF 35 bzw. CHF17 pro Person und Tag) Die kleine Rampe hinab vom Hotel-Innenhof in die Mitchellsgade schieben wir unsre Räder, da nur eine Bremse vorhanden ist, und es wird etwas Eingewöhnungszeit brauchen. Natürlich fahren wir zur besten Zeit los, mitten im Zentrum, zur Rush Hour. Nun gehören wir zu den zahlreichen Velofahrern, die durch Kopenhagen saussen. Wobei ich eher noch etwas vorsichtig in die Pedalen trete. Zum Glück ist der Radweg breit genug. Die lahmen Touris wie ich fahren schön rechts, der schnelle Rest links.

Unser erstes Ziel ist Amager Strandpark, ein ehemaliges Sumpfgebiet, in dem eine künstliche Insel angelegt wurde. Wir lassen die Räder vor Ort stehen und erkunden den Ort ein Stück zu Fuss. Hier am Øresund, der Meerenge zwischen Dänemark und Schweden und der die Ostsee mit dem Kattegat verbindet, ist es noch windiger als in der Stadt. Wir sammeln Muscheln (für die Tochter, aber ich werde sie auf der Heimreise verbummeln…), testen das Wasser (Hand reinhalten) und schauen gefrässigen Vögeln zu, wie sie sich an einem Snacksack voll mit einem Apfel und einem Snickers zu schaffen machen….

Nachdem uns genug Seewind um die Nase geweht ist, treten wir erneut in die Pedalen und steuern unser nächstes Ziel in Hellerup an. Die Fahrt dort hin geht entlang dem Amager Strandvej, Amagerbro, Christiania (besuchen wir noch!), Nyhavn (wo es wieder kurz regnet, liegt es wohl am Ort?), Zwischenstopp an Kongens Nytorv inkl. Kaffeepause im Espresso House, weiter entlang der Bredgade, die wir gestern von Amalienborg kommend überquerten, vorbei am Kastellet, der grossen Hauptstrasse, der O2 – einer Ringstrasse um den zentralsten Teil von Kopenhagen, folgend bis wir uns in Østerbro rechts halten, vorbei an schmucken Bauten direkt am Wasser und kommen nach etlichen Radumdrehungen an der Ecke Strandvejen/Dessaus Boulevard an der Tuborgflasken an. Olsenbanden- und Bierfans bekannt und ein Punkt auf unserer to-visit-list!

Tuborgflasken

Nachdem das obligatorische Beweisbild gemacht ist, fahren wir die Strandvejen noch ein Stück weiter stadtauswärts bis zu diesem Standort, wo bis 1996 Tuborg-Bier gebraut wurde ( heute geschieht das im deutschen Hamburg, natürlich unter Einhaltung des deutschen Reinheitsgebotes aus dem Jahr 1516). Heute befinden sich auf dem Gelände vor allem Bürogebäude und ein paar Geschäfte.

Es ist Mittagszeit und das feine Frühstück haben wir bereits abgestrampelt. In der Nähe ist das Café Rotunden, wo wir uns stärken – ein feines Zmittag, noch feineres Dessert und leckerer Lakritztee (den wir später im Magasin du Nord für daheim kaufen werden)

Die nächste Strecke weiss ich nur noch so halb auswendig, da ich mit dem Gegenwind und dem Finden des Weges zu kämpfen habe… wir folgen dem Tuborgvej, radeln durch Nørrebro, u.a. vorbei am Kopenhagener Zoo bis nach Valby. Hier befindet sich das 1906 gegründete Nordisk-Film-Studio, bekannt unter anderem natürlich für die Filme der Olsenbande. Und dann wird es sehr historisch und nostalgisch: Wir sind in jener Strasse, wo einst das Wohnhaus von Kjeld und Yvonne stand, gehen jene Strasse entlang, auf dem das Olsenbandentrio oft unterwegs war. Das ist schon mächtig gewaltig!

Die Sonderausstellung über Egon, Benny und Kjeld war leider nur bis Januar geöffnet, die drei Statuen, die ihnen zu Ehren ausgestellt sind, finden wir leider nicht. Wir machen uns stattdessen auf dem Weg in Richtung Hotel. Dazwischen noch ein Halt bei Carlsberg. Leider wird hier grad das Besucherzentrum umgebaut, aber mein Bruder erzählt mir, dass er bei seinem ersten Kopenhagen-Besuch hier mit dem Auto vorgefahren ist, um feines Bier einzuladen. Mein Koffer war eh schon knapp vor der 15kg Grenze, also gut so.

Wir schwingen uns also wieder auf unsere Räder und fahren via Vesterbro zurück, natürlich voll der Feierabend-Rushhour. Aber wie gesagt, die Radwege sind breit genug.

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Auszeit in Kopenhagen Teil 2

Wir schlafen gut in unsrem Zimmer und begeben uns gegen halb 8 zum Frühstücksbuffet im Keller des Hotels. Das Angebot ist riesig und frisch, der Kaffee schmeckt besonders.

Blick aus dem Hotelzimmer

Gestärkt treten wir unsre nächste Erkundungstour an. Wir haben zwar ein paar Punkte auf dem Plan, werden uns aber die ganze Woche über eher treiben lassen und nehmen mit, was gerade am Weg liegt. Wir laufen zunächst los in Richtung Zentrum und müssen an jeder Ampel lachen. Hier ist wirklich jeder mit dem Velo unterwegs. Es stauen sich an den Ampeln mehr Fahräder als Autos. Immer wieder rollt eine neue Menge Radler an, so dass wir fast meinen an der Tour de France zu sein. Wir lesen später, dass knapp jeder 2. mit dem Fahrrad zur Arbeit/Schule/Uni etc. pendelt, im Grossraum Kopenhagen sollen es sogar mehr sein wie in den ganzen USA gesamt. Bei der tollen Infrastruktur in Sachen Radfahren kein Wunder. Seit den 1970er Jahren wurde beim Strassenbau bereits darauf geachtet, Platz für die Radfahrer zu schaffen.

Wir bummeln also durch die Altstadt, vorbei am Rundetårn, dem runden Turm, dessen Besuch wir auf später vermerken, da wir vor den Öffnungszeiten vor Ort sind (geöffnet ab 10Uhr). Unser Weg führt uns weiter zum Nyhavn, dem Hotspot in Kopenhagen und wahrscheinlich einer der am meist fotografiertesten Orte der Welt. Wir laufen entlang des Kanals, blicken auf die Schiffe, die Touristen umher schippern werden und plötzlich sitzen wir auf einem solchen. Zwar regnet es kurz, aber dank Dach bleiben wir auf dem Kahn weitestgehend trocken. Die Rundfahrt beginnt also am Nyhavn und geht ein Stück raus entlang an Papirøen aka Paper Island, einem neuen Stadtteil in Christiansholm. Inspiriert von den ehemaligen Papierlagerhäusern entstehen hier Neubauten, die mit ihrem Design Aufmerksamkeit erregen. Das nächste architektonische Highlight ist gleich daneben die Königliche Oper, die von einem reichen Unternehmer gesponsert wurde. Die Fahrt geht weiter vorbei an der Marinestation Kopenhagen auf Nyholm mit dem Museumsschiff Peder Skram. Danach wendet das Boot nach links, einer der grossen schwimmenden Megastädte liegt im Hafen und sorgt für schlechte Luft, bald ist die Wendung vollendet und der Steuermann fährt in Richtung Ufer zu. Dort befindet sie die kleine Meerjungfrau. Diese hatte ich 2007 zu Fuss besucht und war von deren Grösse eher enttäuscht. Vor allem stehen immerzu Touristen drum herum, so dass das freie Fotografieren schier unmöglich ist. Etwas grösser dagegen die Kopie von Michelangelos David-Statue etwas weiter. Wer noch mehr Gefallen an Skulpturen hat, dem sei ein Besuch im Den Kongelige Afstøbningssamling (The Royal Casting Collection) empfohlen. Wir schippern jedoch weiter entlang des Skuespilhuset und biegen nach links in einen Nebenkanal nach Christianshavn ab. Hier liegen am Rand viele alte Boote bzw. Schiffe, die teils bewohnt sind. Der Stadtbereich ist von vielen Altbauten geprägt, aber bald schon wird es wieder moderner, nachdem wir die Cirkelbroen passiert haben. Eine Brücke, wieder einmal nur für Fussgänger und Radfahrer, gebildet aus fünf kreisrunden Plattformen alle mit einem Mast in der Mitte, der an Segelschiffe erinnern soll. Wir überqueren den Hauptkanal und fahren en Frederiksholm Kanal ab, der praktisch Slotsholmen umrundet. Das Fahrwasser wird immer enger und ich sehe bald, warum am einten Brückenbogen, der Stormbro, kurz vor der Rechtskurve Gummimatten hängen. Das Schiff kommt gerade so um den Bogen und touchiert dabei leicht die Brücke. Wir umrunden Christiansborg Slot, was wir am Abend zuvor schon von der gegenüberliegenden Seite bewundern konnten, kommen vorbei an der ehemaligen Börse und befinden uns bald wieder am Hauptkanal in Richtung Nyhavn.

Wieder an Land gönnen wir uns eine Stärkung. Hot Dog what else. Wir treiben mit der Tourimenge mit und gelangen zu Amalienborg, der Stadtresidenz des dänischen Königshauses bzw. der Königin. Diese ist aber heute nicht da. Das verrät zum einen das Nichtvorhandenseins der dänischen Flagge auf ihrem Wohnhaus (dem mit den fünf Schornsteinen!) sowie dass die Wachablöse, die wir am Mittag erleben dürfen (völlig ungeplant), ohne Musik erfolgt. Das Spektakel zieht natürlich viel Touristen an und mancher läuft wie ein Lemming der Königlichen Leibgarde hinterher statt es von der Ferne aus zu beobachten.

Wir verlassen bald das Schlossgelände und laufen weiter in Richtung Frederiks Kirke, einer evangelischen Kirche aus dem 18. Jahrhundert mit der grössten Kuppel Skandinaviens. Eigentlich sollte sie grösser werden, aber das Haushaltsbudget war dann doch bald aufgebraucht. Hunger und Durst liessen uns weiterziehen bis zu Kongens Nytorv, einem meiner Lieblingsplätze in Kopenhagen. Hier lässt es sich auf einer der zahlreichen Bänke auf dem Platz verweilen, Leute studieren, Kaffee geniessen (gibt es z.B. am Espresso House) Wir stürzten uns nach einer kurzen Rast ins Magazin du Nord, quasi dem KDW von Kopenhagen. Heute halten wir uns jedoch in Sachen Einkauf zurück, wir werden aber später hier den feinen Lakritztee kaufen, den wir im Café Rotunden probierten.

Für uns hiess es erst einmal Pause im Hotel. Die Füsse waren schon etwas wund gelaufen. Nach einer kleinen Stärkung stand noch ein Ausflug in den Osten der Stadt an. Über die Langebro liefen wir in den Stadtteil Amagerbro bis zur Uplandsgade, einer eher unscheinbaren Vorstadtstrasse, trotzdem breit genug, dass es genug Platz für Velowege hat (ich staune immer noch über das Konzept!) Irgendwann kreuzt diese Strasse die Vermlandsgade und wenn man aufmerksam ist, findet man den Eingang zu Amagerbanens Venner, das ist ein kleines Eisenbahnmuseum. Das Gleis, was man heute noch mit einer Draisine abfahren kann, kennen Olsenbanden-Fans aus einem ihrer Filme. Wir wussten von einer Fanseite, dass es da nach 47 Jahren noch Spuren geben soll und so machten wir uns auf dem Weg und wurden fündig.

Zurück ging es an einer riesigen Sportanlage (Kløvermarken, einem ehemaligen Flüchtlingslager aus dem 2. Weltkrieg), vorbei an einem Netto-Shop, wo noch ein paar Einkäufe getätigt wurden bis in den Enveloppeparken. Dort liessen wir den Tag ausklingen und machten uns beseelt von den vielen Eindrücken vom Tag auf den Weg zurück ins Hotel.

 

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