Kategorie: Angsttagebuch

Ich leide an einer Angststörung, der Emetophobie. Die Angst vor dem Erbrechen begleitet mich schon viele Jahre. Durch Psychotherapie und Austausch mit anderen versuche ich einen Weg zu finden, mit der Angst zu leben. Das klappt mal mehr mal weniger gut. Meine Erfahrungen möchte ich hier veröffentlichen.

Angsttagebuch

Wieder einer mit Bauchweh. Das fünfte oder sechste Mal innert weniger Wochen. Es blieb bisher dabei, kein Kotzeritis. Holzanlang. Hoffe diesesmal auch nicht. Dabei dachte ich letzte Woche noch, mit jedem Wehwehchen der Kids wurde meine Angst kleiner, sozusagen leichte Konfrontationstherapie. Aber bämm jetzt ist sie wieder da. Verschiedene Faktoren mögen dazubeitragen….Weihnachten, Ferien stehen an (da ist ja meist einer krank), Geschäft abgeschlossen, freier Kopf…und zack füllt sich dieser wieder mit blöden Gedanken, die kreisen.  Ich frage mich, wie ich es schaffe hier überhaupt etwas zu schreiben, so wirr wie sich das alles im Moment anfühlt. Wenigstens lenkt es für ein paar Minuten ab, bringt Ruhe, Beruhigung. Bis zum nächsten Geräusch aus dem Kinderzimmer, wenn der Grosse wieder zum Klo rennen muss. Eine Berg- und Talfahrt meiner Emotionen, meiner Angst. Ich schaffe es einfach nicht bei mir zu bleiben, in der Situation. Fluchtgedanken drängen sich auf. Aber das ist nur eine Illusionsbehaftete Lösung. Ich muss es aushalten. Ich werde es aushalten. Irgendwie.

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Angstagebuch

Ich wünschte, ich könnte hier wieder über andere Dinge schreiben. Aber irgendwie ist der Wurm drin. Und das Aufschreiben hilft mir, beruhigt ein wenig,ordnet die Gedanken….

Nachdem der Mittlere letzten Donnerstag den Kotzer hatte und unsre Abfahrt sich dadurch nach Deutschland um einen Tag verschob, meint nun die Jüngste den Urlaub canceln zu lassen…. dabei stehen die Sachen fertig gepackt da. Ich war am Sonntag Nachmittag endlich wieder entspannt und angstfrei, freute mich wahnsinnig, dass es am Montag losgehen sollte. Die Tage davor schlief ich schlecht, und wenn dann mit wirren Träumen, die sich im Kreis treten, an Essen war kaum zu denken. Sämtliche Entspannungsübungen, Yoga, Meditation brachten nichts. Nun geht das Ganze von vorne los. Lohnt sich das Fahren noch? Soll es einfach nicht sein, dass wir fahren? Irgendwie schwirren seltsame Gedanken in meinem Kopf. Vielleicht hat das Ganze ja einen Sinn? Immerhin machte mir die lange Wegstrecke Bauchweh, der Verkehr, das aufgehobene Tempolimit (ich liebe es hier auf den Schweizer Autobahnen nur mit maximal 130 über fast LKW freien Asphalt zu rollen), die Hitze, Bilder von Unfällen, nicht in meiner vertrauten Umgebung zu sein, das Risiko Menschen wieder zu treffen, die mir nicht gut tun. Ich sitze nun wieder da auf meinen glühenden Kohlen, muss abwarten, mich in Geduld üben und entspannt bleiben. Ich versuch mein Bestes.

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Sonnenstich, etwas nicht vertragen, nochmals Magendarmvirus? Mein Gedankenkarussell bekam eben wieder ordentlich Schwung, als der Mittlere über Bauchweh klagte. Keine halbe Stunde später musste er erbrechen. In mir brodelt es, der Puls rast. Die Angst sitzt mir als Kloss im Hals, im Magen, im Kopf. Ich mag das nicht mehr. Suche nach einem Ausschalter. Kann nicht klar denken. Oder klar handeln. Ich will weg. Aber wohin? Die Angst ist in mir. Ich werde sie nicht los. Ich versuche mich nicht gegen sie zu stellen, das würde alles nur noch schlimmer machen. Ich soll sie als Freund, nicht als Feind betrachten. Aber wie kann ich etwas annehmen, was ich am liebsten auf der Stelle los werden möchte? Angst ist menschlich. Angst ist normal. Sie schützt uns, beschützt uns. So steht es in ihrer Definition. Aber was ist schon Theorie gegen Praxis? Wovor will mich meine Kotzangst schützen? Warum habe ich diese Scheissangst überhaupt? Dürfte ich nicht eine andere Phobie wählen? Spinnen, Angst, von einer Ente beobachtet zu werden etc.

Die Ursache werde ich wohl nie vollständig ergründen. Es gibt einige Faktoren, die dazu beitragen. Es sind viele private Dinge, die ich durch Therapiestunden aufarbeite, verarbeite, um zu lernen damit zu leben. Aber Erinnerungen sind wie Angst, sie lassen sich nicht so einfach abstellen.

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